Kurz kommentiert

AltersrentnerInnen in der Grundsicherung

23.01.2023 | Am 22. Januar 2023 las man im RND: »Linksfraktionschef Bartsch kritisiert: Immer mehr Rentner sind auf Grundsicherung angewiesen«. Die Kritik basiert auf Daten des Statistischen Bundesamtes, die die Bundestagsfraktion der Linken erfragt hat; Daten, die im Übrigen auch der breiteren Öffentlichkeit jederzeit über GENESIS-ONLINE zur Verfügung stehen.

Danach ist die Anzahl der Empfängerinnen und Empfänger von Grundsicherung im Alter nach SGB XII allein von Juni bis September 2022 innerhalb von drei Monaten von 628.570 auf 647.515 gestiegen. Das sind 18.945 Personen mehr. Im Vorjahresvergleich zum September 2021 sind es sogar 68.420 Personen mehr, was einem Anstieg von rund 12 Prozent entspricht (vgl. unteren Tabellenteil).

Seit Inkrafttreten des Grundsicherungsgesetzes (GSiG) 2003 hat sich die Anzahl älterer BezieherInnen (ab Alter 65 bzw. seit 2012 ab Regelaltersgrenze) von Grundsicherung im Alter deutlich erhöht – wobei in den Jahren 2003 und 2004 von einer Untererfassung der GSiG-Fälle auszugehen ist, da viele Hilfebedürftige noch in der BSHG-Statistik geführt wurden.


Jahr* bzw. Monat Personen im Alters-GruSi-Bezug insgesamt davon mit Bezug einer Altersrente dito in Prozent Anteil GruSi beziehender RentnerInnen an allen Inlandsrenten wegen Alters ab RAG ** in Prozent
2003 257.734 158.269 61,4 1,2
2004 293.137 180.773 61,7 1,3
2005 342.855 218.105 63,6 1,5
2006 364.535 237.989 65,3 1,6
2007 392.368 260.372 66,4 1,8
2008 409.958 270.909 66,1 1,8
2009 399.837 271.749 68,0 1,8
2010 412.081 283.327 68,8 1,9
2011 436.210 308.421 70,7 2,0
2012 464.066 338.371 72,9 2,2
2013 497.433 371.335 74,7 2,4
2014 512.198 388.093 75,8 2,5
2015 536.121 414.698 77,4 2,7
2016 525.595 404.836 77,0 2,6
2017 544.090 421.593 77,5 2,7
2018 559.419 411.033 73,5 2,6
2019 561.969 412.711 73,4 2,6
2020 564.110 414.305 73,4 2,6
2021 588.780 432.995 73,5 2,7
Sept 2021 579.095 426.500 73,6 -
Juni 2022 628.570 445.720 70,9 -
Sept 2022 647.515 448.510 69,3 -
* Jahresende ** RAG = Regelaltersgrenze
Quelle: DESTATIS, DRV, eigene Berechnungen

Die Anzahl der Rentnerinnen und Rentner, die Leistungen der Alters-Grundsicherung beziehen, steigt aber seither kontinuierlich an. Angesichts des Altersaufbaus der Bevölkerung ist dies allerdings nicht überraschend. Der Anteil der Rentnerinnen und Rentner mit GruSi-Bezug an allen Inlandsrenten wegen Alters ab der Regelaltersgrenze ist über die vergangenen Jahre deshalb auch relativ stabil geblieben.

Die starke Zunahme im September 2022 gegenüber dem Vorquartal bzw. gegenüber September 2021 ist nicht in der Hauptsache auf die zunehmende Verarmung älterer RentenbezieherInnen zurückzuführen – sie hat andere Ursachen. Der Zuwachs an Grundsicherung beziehenden Älteren betrug insgesamt 68.420 Personen oder 11,8 Prozent (Sept 2022 zu Sept 2021).

  • Bei den Personen mit Altersrentenbezug betrug der Zuwachs 5,2 Prozent – bei den Personen ohne Altersrentenbezug waren es 30,4 Prozent.
  • Damit entfielen vom Gesamtzuwachs lediglich 32,2 Prozent oder 22.010 Personen auf Fälle mit einer als Einkommen anrechenbaren Altersrente – die Fälle ohne anrechenbare Altersrente machen demgegenüber vom Gesamtzuwachs 67,8 Prozent oder 46.410 Personen aus.

Der Anteil der Grundsicherung Beziehenden mit einer als Einkommen angerechneten Altersrente sank dementsprechend auf zuletzt 69,3 Prozent (vgl. Tabelle). Zurückzuführen ist der Anstieg der Gesamtzahl an Grundsicherung Beziehenden wohl hauptsächlich auf die Einbeziehung aus der Ukraine geflüchteter Personen (i.d.R. ohne anrechenbaren Altersrentenbezug) in die Leistungsberechtigung nach SGB XII ab 1. Juni 2022.