Grundsicherungsdichte Berlin

Fürsorgedichte in Berlin - 2007 bis 2019

Anteil Hilfebedürftiger im Alter und bei Erwerbsminderung steigt kontinuierlich

Johannes Steffen | September 2020

Am Jahresende 2019 bezogen knapp 575.000 Berlinerinnen und Berliner Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende nach SGB II oder im Alter und bei Erwerbsminderung nach SGB XII (Kapitel 4) bzw. Hilfe zum Lebensunterhalt nach SGB XII (Kapitel 3). Das waren 15,2 Prozent der Gesamtbevölkerung oder 152 Personen je 1.000 Einwohner. Gut jeder siebte in der Hauptstadt gemeldete Einwohner war somit (ergänzend) auf eine der genannten Grundsicherungsleistungen angewiesen.

Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende nach SGB II (»Hartz IV«) erhalten Mitglieder der Bedarfsgemeinschaft eines erwerbsfähigen Leistungsberechtigten, sofern deren anrechenbares Einkommen oder Vermögen nicht zur Deckung des fürsorgerechtlichen Bedarfs ausreichen. Erwerbsfähige Leistungsberechtigte im Alter von 15 Jahren bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze (2019: 65 Jahre und acht Monate) erhalten Arbeitslosengeld II (ALG II); nicht erwerbsfähige Mitglieder der Bedarfsgemeinschaft unterhalb der Regelaltersgrenze erhalten Sozialgeld (SG). Hierbei handelt es sich in der weit überwiegenden Zahl der statistisch ausgewiesenen Fälle um Kinder unter 15 Jahre.

Dauerhaft voll erwerbsgeminderte Volljährige (EM) sowie Personen ab Erreichen der Regelaltersgrenze (Alter) erhalten im Bedarfsfall Leistungen der Grundsicherung nach Kapitel 4 SGB XII. Als voll erwerbsgemindert gelten Personen, deren Erwerbsfähigkeit arbeitstäglich unterhalb von drei Stunden liegt. - Nicht erwerbsfähige Hilfebedürftige, die nicht mit Erwerbsfähigen in Bedarfsgemeinschaft leben, erhalten bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze Hilfe zum Lebensunterhalt (HzL) nach Kapitel 3 SGB XII.

 

Die höchste Fürsorgedichte (Leistungsbezieher insgesamt bezogen auf die Gesamtzahl der Einwohner gemäß Melderegister) weisen Ende 2019 die Bezirke Neukölln (227), Mitte (216) und Spandau (204) auf. Die geringste Fürsorgedichte findet sich in den Bezirken Steglitz-Zehlendorf (75), Pankow (88) und Treptow-Köpenick (108).

Bei einer über die vergangenen Jahre insgesamt rückläufigen Fürsorgedichte - vor allem bedingt durch die positive Arbeitsmarktentwicklung - lassen sich im Zeitablauf Verschiebungen zwischen den Bezirken feststellen. Deutlich positiven Entwicklungen in den Bezirken Friedrichshain-Kreuzberg und Pankow steht ein geringer bzw. kaum merklicher Rückgang der Fürsorgequoten in den Bezirken Spandau und Reinickendorf gegenüber.

Während die Empfängerquote bei der Grundsicherung für Arbeitsuchende durchgängig gesunken ist, nimmt der Anteil der Bevölkerung, der auf Grundsicherungsleistungen im Alter oder bei Erwerbsminderung angewiesen ist, in den letzten Jahren stetig und zum Teil deutlich zu. 

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