Rentenanpassung 2020

Rentenanpassung 2020

Gute Beschäftigungslage im Vorjahr lässt Renten noch einmal kräftig steigen

06. April 2020 | Zum 1. Juli 2020 werden die Renten der rund 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner turnusgemäß angepasst. Der aktuelle Rentenwert steigt um 3,45 Prozent von 33,05 Euro auf 34,19Euro und der aktuelle Rentenwert (Ost) wird um 4,20 Prozent von 31,89 Euro auf 33,23 Euro erhöht. Die Faktoren der Anpassungsformel tragen in unterschiedlicher Weise zum Ausmaß der diesjährigen Rentenerhöhung bei. Zudem ist für Renten (-teile), die auf Entgeltpunkten (Ost) basieren, die Vorgabe des § 255a SGB VI zu beachten (gesetzlich vorgegebene Angleichungsschritte der Ostrenten). – Und schließlich müssen die Anpassungen in den Jahren 2019 bis 2025 sicherstellen, dass das Rentenniveau (Sicherungsniveau vor Steuern = SvS) den Wert von 48 Prozent nicht unterschreitet (Niveau-Haltelinie).

Die jährlich Rentenanpassung wird von insgesamt drei Faktoren bestimmt:

  • der Entwicklung der beitragspflichtigen Entgelte,
  • der Belastungsveränderung bei den Altersvorsorgeaufwendungen der Aktiven (Beitragssatz zur Rentenversicherung sowie privater Altersvorsorgeanteil) und
  • dem sogenannten Nachhaltigkeitsfaktor.

Maßgebend ist die Veränderung der diese Faktoren bestimmenden Werte im Vorjahr zum vorvergangenen Jahr – für die Anpassung 2020 wird also Bezug genommen auf die Veränderungen in 2019 gegenüber 2018. Angepasst werden der aktueller Rentenwert (AR) bzw. der aktuelle Rentenwert (Ost) (AR(O)); der aktuelle Rentenwert entspricht dem Monatsbetrag der Rente für ein Jahr Beitragszahlung auf Basis des Durchschnittsentgelts und einem Zugangsfaktor von 1,000 – also ohne Rentenabschläge oder Rentenzuschläge.

aktueller Rentenwert

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Die Anpassung erfolgt getrennt für die alten und die neuen Länder; maßgebend für die Entgeltentwicklung des Vorjahres ist der jeweils vorläufige Stand im März des Anpassungsjahres. Die regionale Entgeltwicklung in den neuen Ländern ist seit der Anpassung 2018 nur noch für die sogenannte Vergleichsrechnung maßgebend: Führt das bis 2017 praktizierte Anpassungsverfahren zu einem höheren AR(O) als er durch die gesetzliche Angleichungstreppe des  § 255a Abs. 1 SGB VI vorgegeben ist, so gilt der Vergleichswert als neuer AR(O). – Bei den Veränderungsraten des durchschnittlichen Beitragssatzes sowie den Belastungsveränderungen bei den Altersvorsorgeaufwendungen der Aktiven und des Rentnerquotienten im Rahmen des Nachhaltigkeitsfaktors handelt es sich um bundeseinheitliche Werte.

Entgeltfaktor

In die Bestimmung des Entgeltfaktors fließen seit dem  Rentenversicherungs-Nachhaltigkeitsgesetz zwei Entwicklungen ein. Seither wird der Entgeltfaktor nicht mehr (nur) auf Basis der Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer entsprechend den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) bestimmt; die Anpassung der Renten richtet sich daneben auch – und über mittlere Sicht ausschließlich – nach der Entwicklung der beitragspflichtigen Entgelte der Versicherten.


Rentenanpassungsformel

AR(t) = zu bestimmender aktueller Rentenwert ab dem 1. Juli
AR(t-1) = bisheriger aktueller Rentenwert
ÄB = Äquivalenzbeitragszahler
ÄR = Äquivalenzrentner
BEVGR(t-1) = Bruttolöhne- und -gehälter je Arbeitnehmer im vergangenen Kalenderjahr
BEVGR(t-2) = Bruttolöhne- und -gehälter je Arbeitnehmer im vorvergangenen Kalenderjahr
BEVGR(t-3) = Bruttolöhne- und -gehälter je Arbeitnehmer im dritten der dem Anpassungsjahr vorausgehenden Kalenderjahr
bBE(t-2) = beitragspflichtige Bruttolöhne- und -gehälter je Arbeitnehmer ohne Beamte einschließlich der Bezieher von Arbeitslosen- und Kurzarbeitergeld (Alg, Kug) im vorvergangenen Kalenderjahr
bBE(t-3) = beitragspflichtige Bruttolöhne- und -gehälter je Arbeitnehmer ohne Beamte einschließlich der Bezieher von Alg und Kug im dritten der dem Anpassungsjahr vorausgehenden Kalenderjahr
AVA2012 = 4,0 Prozent Altersvorsorgeanteil seit 2012
RVB(t-1) = durchschnittlicher Beitragssatz in der allgemeinen Rentenversicherung im vergangenen Kalenderjahr
RVB(t-2) = durchschnittlicher Beitragssatz in der allgemeinen Rentenversicherung im vorvergangenen Kalenderjahr
RQ(t-1) = Rentnerquotient im vergangenen Kalenderjahr
RQ(t-2) = Rentnerquotient im vorvergangenen Kalenderjahr
α = 0,25
In der Formel des § 68 Abs. 5 SGB VI werden mit dem Faktor BEVGR unterschiedliche Größen bezeichnet, je nachdem, auf welches Jahr der Faktor bezogen wird; in der hier ausgewiesenen Formel sind die Faktoren eindeutig definiert.

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Hintergrund für die seinerzeitige Änderung des Verfahrens ist der Umstand, dass die VGR-Werte unter anderem nicht beitragspflichtige Entgeltteile oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze oder auch solche Entgeltbestandteile enthalten, die beitragsfrei in eine Anwartschaft auf betriebliche Altersversorgung umgewandelt wurden. Diese beitragsfreien Entgelte bzw. Entgeltbestandteile tragen nicht zur Finanzierung der Renten bei und sollen daher auch auf deren Anpassung keinen Einfluss haben.

Da die Löhne und Lohnbestandteile, die in der Rentenversicherung tatsächlich verbeitragt werden, nicht zeitnah vorliegen und erst mit einem »time-lag« von gut zwei Jahren bei der Rentenanpassung berücksichtigt werden können, greift die Anpassungsformel hinsichtlich der Lohn- und Gehaltsentwicklung des jeweiligen Vorjahres weiterhin alleine auf die VGR-Entgelte zurück. Schließlich sollen die Renten zeitnah an der Lohnentwicklung teilhaben können.

Der Entgeltfaktor der Anpassungsformel berücksichtigt demnach zwei Entwicklungen:

  • kurzfristig die Veränderung der VGR-Entgelte des Vorjahres und
  • mittelfristig die relative Abweichung zwischen der Lohnentwicklung nach den VGR-Daten und der beitragspflichtigen Lohnentwicklung für das vorvergangene Jahr.

Sofern die Entwicklung der VGR-Löhne von der Entwicklung der beitragspflichtigen Löhne abweicht, wird dies bei der jeweils nächsten Anpassung über die Formel zur Berechnung des Entgeltfaktors automatisch korrigiert. Die  Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer (gemäß VGR und nach Revision – vgl.  Übersicht) sind im Jahr 2019 gegenüber dem Jahr 2018 um 2,95 Prozent (alte Länder) bzw. um 3,63 Prozent (neue Länder) gestiegen.

Zur Bestimmung des Entgeltfaktors der Anpassungsformel wird das Durchschnittsentgelt nach VGR des jeweils vorvergangenen Jahres (in diesem Fall also 2018) mit folgendem Faktor gewichtet:

(BEt-2/BEt-3)/(bBEt-2/bBEt-3).

Auf diese Weise findet die relative Abweichung zwischen der Lohnentwicklung gemäß VGR und der beitragspflichtigen Lohnentwicklung für das vorvergangene Jahr Eingang in die Bestimmung des Entgeltfaktors. Wenn der Wichtefaktor größer (kleiner) als Eins ist, die beitragspflichtigen Entgelte also schwächer (stärker) gestiegen sind als die VGR-Entgelte, dann werden die VGR-Bruttoentgelte rechnerisch erhöht (gesenkt) und der Entgeltfaktor der Anpassungsformel damit gesenkt (erhöht).

Im Jahr 2018 sind die  beitragspflichtigen Entgelte im Westen mit einem Zuwachs von 3,19 Prozent stärker gestiegen als die VGR-Entgelte vor Revision (2,87 Prozent); auch im Osten haben sich die beitragspflichtigen Entgelte mit 3,59 Prozent stärker erhöht als die VGR-Entgelte vor Revision (3,39 Prozent). Damit beträgt der Wichtefaktor für das VGR-Entgelt des vorvergangenen Jahres im Westen 0,9968 und im Osten 0,9981. In beiden Regionen wirkt der Wichtefaktor demnach anpassungserhöhend.


Werte der Rentenanpassung 2020

Werte Alte Länder Neue Länder
ARt-1 bzw. AR(O)t-1 (2019) 33,05 € 31,89 €
Bruttolöhne und -gehälter 2017* (BE*t-3) 35.139 € 28.782 €
Bruttolöhne und -gehälter 2018* (BE*t-2) 36.146 € 29.757 €
Bruttolöhne und -gehälter 2018** (BEt-2) 36.846 € 30.378 €
Bruttolöhne und -gehälter 2019** (BEt-2) 37.932 € 31.482 €
beitragspflichtige Bruttolöhne und -gehälter 2017 (bBEt-3) 32.387 € 27.492 €
beitragspflichtige Bruttolöhne und -gehälter 2018 (bBEt-2) 33.421 € 28.478 €
Altersvorsorgeanteil 2012 (AVA2012) 4,0%
durchschnittlicher RV-beitrag 2018 (RVBt-2) 18,6%
durchschnittlicher RV-beitrag 2019 (RVBt-1) 18,6%
Rentnerquotient 2018 (RQt-2) 0,5188
Rentnerquotient 2019 (RQt-1) 0,5152
ARt bzw. AR(O)t gem. § 255a Abs. 1 SGB VI (Angleichung Ost 97,2 v.H.) (2020) 34,19 € 33,23 € ***
AR(O)t gem. § 255a Abs. 2 SGB VI (Vergleichswert) (2020) - 33,13 € ***
* Datenstand der Vorjahresverordnung ** Datenstand nach VGR-Revision 2019 ***Ist der Wert nach § 255a Abs. 2 SGB VI höher, so gilt dieser als AR(O)t

Im Ergebnis beträgt der Entgeltfaktor der diesjährigen Anpassung in den alten Bundesländern

Entgeltfaktor

In den neuen Bundesländern führen die Ausgangsdaten zu einem Entgeltfaktor in Höhe von

Entgeltfaktor (Ost)

Erforderlich ist die Bestimmung des Entgeltfaktors (Ost) ausschließlich für die Ermittlung des Vergleichswerts nach  § 255a Abs. 2 SGB VI.

Infolge der Gewichtung wird das VGR-Entgelt des Jahres 2018 in West und Ost rechnerisch gesenkt – und der Anstieg in 2019 damit erhöht. Im Westen betrug das durchschnittliche VGR-Entgelt 2018 36.846 Euro – der gewichtete Betrag fällt mit 36.729 Euro leicht geringer aus. Ebenso im Osten; dort belief sich der VGR-Wert auf 30.378 Euro – der gewichtete Betrag liegt mit 30.320 Euro ebenfalls leicht darunter. Damit fällt der Anstieg der anpassungsrelevanten Entgelte in beiden Regionen etwas stärker aus als der Anstieg der VGR-Entgelte. – Im Ergebnis trägt der Entgeltfaktor mit 3,28 Prozentpunkten (West) bzw. 3,83 Prozentpunkten (Ost – nur im Rahmen der Vergleichsrechnung) zur diesjährigen Rentenanpassung bei.

»Riester-Faktor«

Der in der Anpassungsformel zu berücksichtigende Altersvorsorgeanteil (AVA) beträgt 4,0 Prozent. Für die Anpassungsjahre vor 2013 war er mit den in der nachfolgenden Tabelle ausgewiesenen Werten vorgegeben (»Riester-Treppe«). Erstmals zu Buche schlug die Veränderung des AVA bei der Rentenanpassung zum 1. Juli 2003.

Wegen der im Jahre 2004 gesetzlich verordneten Nullrunde wurde auch der AVA für 2003 nicht erhöht; nur so ließ sich erreichen, dass die anpassungsmindernde Wirkung der »Riester-Treppe« im Ergebnis voll ausgeschöpft werden konnte. Eine nochmalige Streckung der »Riester-Treppe« auf Grund der gesetzlichen Nullrunde 2006 erübrigte sich, weil im Zuge der Gesetzgebung zur Rente mit 67 das Nachholen von als Folge der allgemeinen Schutzklausel (Ausschluss einer Senkung der Rentenwerte) nicht realisierter Anpassungsdämpfungen ab dem Jahr 2011 beschlossen wurde (sogenannter »Ausgleichsbedarf«). Mit dem Gesetz zur Rentenanpassung 2008 wurde die »Riester-Treppe« ein weiteres Mal gestreckt – 2007 und 2008 änderte sich der AVA demnach nicht. Damit sollte in den Jahren 2008 und 2009 (Finanzkrise) ein höherer Anpassungssatz ermöglicht werden.

Die anpassungsmindernde Berücksichtigung des AVA wurde bei seiner Einführung damit begründet, dass seit 2002 allen Arbeitnehmern die staatlich geförderte private Altersvorsorge offensteht; die hierfür erforderlichen Prämien reduzieren – vergleichbar einem steigenden Beitragssatz zur Rentenversicherung – deren verfügbare Einkommen. Diese steigende Belastung der Aktiven müsse, so die seinerzeitige Begründung des Gesetzgebers, an die Rentner in Form geringerer Rentensteigerungen weitergegeben werden. Dabei ist es für die Berücksichtigung des AVA unerheblich, ob tatsächlich alle Berechtigten private Vorsorge im unterstellten Umfang betreiben. Selbst wenn sich kein einziger Arbeitnehmer auf die staatlich geförderte Privatvorsorge eingelassen hätte, wäre bei der Rentenanpassung unterstellt worden, dass alle Arbeitnehmer eine zusätzliche und bis 2012 prozentual steigende Abgabenlast tragen. An-passungsmindernd berücksichtigt wurde zudem der Bruttoanteil ohne Abzug der staatlichen Fördermittel, obwohl die auch von den Rentnern über deren direkte und indirekte Steuern mit finanziert werden.

Der jahresdurchschnittliche Beitragssatz zur allgemeinen Rentenversicherung (RVB), die zweite Größe des »Riester-Faktors«, hat sich 2019 gegenüber 2018 verändert (18,6 Prozent). Für die Anpassung 2020 ergibt sich somit ein »Riester-Faktor« von

Für die Anpassung 2020 ist der Faktor demnach neutral.

Auch wenn der Altersvorsorgeanteil seit 2012 unverändert bei 4,0 Prozent liegt und anpassungsmindernde Veränderungen nach derzeit geltendem Recht nicht mehr Platz greifen, hat seine weitere Berücksichtigung im »Riester-Faktor« dennoch anpassungsrelevante Wirkungen: Jede Veränderung des Beitragssatzes zur allgemeinen Rentenversicherung schlägt dadurch rechnerisch etwas stärker zu Buche – positiv wie negativ.

Nachhaltigkeitsfaktor

Der Wert des Nachhaltigkeitsfaktors wird bestimmt durch die Entwicklung des Rentnerquotienten sowie den mit einem Wert von 0,25 vorgegebenen Parameter »Alpha«.

Der Rentnerquotient (vgl. Übersicht) drückt das rechnerische Verhältnis von Rentnern zu Beitragszahlern aus. Gegenüber dem Jahr 2018 ist der Rentnerquotient 2019 leicht gesunken – von 0,5188 auf 0,5152; der Wert 1 - (RQt-1 / RQt-2) fällt damit positiv aus (0,0069). Während die Zahl der  Äquivalenzrentner 2019 um 1,94 Prozent stieg, legte die Zahl der  Äquivalenzbeitragszahler um 2,66 Prozent zu.


Rentnerquotient

Kern des mit dem RV-Nachhaltigkeitsgesetz in die Anpassungsformel eingeführten Nachhaltigkeitsfaktors ist die Veränderung des Rentnerquotienten. Er drückt das rechnerische Verhältnis von Rentenempfängern zu Beitragszahlern aus; eine Erhöhung des Rentnerquotienten – von der für die Zukunft auszugehen ist – führt zu einem Nachhaltigkeitsfaktor von kleiner als Eins und dämpft dadurch die Rentenanpassungen zusätzlich zu den Wirkungen des »Riester-Faktors«. Um rechnerische Verzerrungen zu vermeiden, wird bei der Bildung des Quotienten auf so genannte Äquivalenzrentner (Zahl der rechnerischen Standardrenten) und Äquivalenzbeitragszahler (auf Durchschnittsverdiener normierte Anzahl der Beitragszahler) zurückgegriffen. Beide Werte wurden bis zur Anpassung 2019 zunächst für die alten und neuen Länder getrennt berechnet und anschließend addiert.

Infolge des Rentenüberleitungs-Abschlussgesetzes erfolgt die Berechnung der Anzahl der Äquivalenzrentner für die Rentenanpassungen 2020 bis 2025 weiterhin getrennt nach West und Ost, weil es für die Kalenderjahre bis 2024 noch keinen bundeseinheitlichen aktuellen Rentenwert gibt. Die Ermittlung der Anzahl der Äquivalenzbeitragszahler basiert hingegen ab der Anpassung 2020 auf gesamtdeutschen Werten. Durch das Rentenüberleitungs-Abschlussgesetz wurden die Werte der Anlage 10 zum SGB VI für die Berechnung des Durchschnittsentgelts (Ost) für die Jahre 2019 bis 2024 unabhängig von der Lohnentwicklung festgesetzt. Die Verwendung dieser Werte bei der Berechnung des Durchschnittsentgelts (Ost) zur Bestimmung der Äquivalenzbeitragszahler (Ost) würde zu Verwerfungen führen. Daher wird für die Bestimmung des aktuellen Rentenwerts zum 1. Juli 2020 auch für das Jahr 2018 die Anzahl der gesamtdeutschen Äquivalenzbeitragszahler – entgegen dem sonst üblichen Verfahren unter Rückgriff auf das endgültige Durchschnittsentgelt 2018 – neu bestimmt (und nicht aus der Vorjahresverordnung übernommen).

  Alte
Länder
Neue
Länder
Gesamt
Ermittlung der Äquivalenzrentner (ÄR)
Renten-Volumen 20181 206.951.745 56.055.893  
Renten-Volumen 20191 217.994.184 58.970.280  
Standard-Rente 20182 17.026,20 16.302,60  
Standard-Rente 20192 17.571,60 16.896,60  
ÄR 20183 12.155 3.438 15.593
ÄR 20193 12.406 3.490 15.896
Ermittlung der Äquivalenzbeitragszahler (ÄB)
Beitrags-Volumen 20184     213.615.972
Beitrags-Volumen 20194     223.241.066
Beiträge auf BE 20185     7.107,43
Beiträge auf BE 20195     7.235,59
ÄB 20186     30.055
ÄB 20196     30.853
Rentnerquotient7
2018     0,5188
2019     0,5152

1 abzüglich erstatteter Aufwendungen für Renten und Rententeile in Tsd. Euro.
2 Jahresbruttorente bei 45 persönlichen Entgeltpunkten in Euro.
3 Rentenvolumen dividiert durch Standardrente in Tsd..
4 Beitragsvolumen der versicherungspflichtig Beschäftigten, der geringfügig Beschäftigten und der Bezieher von Arbeitslosengeld in Tsd. Euro.
5 in Euro; der ausgewiesene Betrag ergibt sich durch Anwendung des durchschnittlichen kalenderjährlichen Beitragssatzes auf das (vorläufige) Durchschnittsentgelt der Anlage 1 zum SGB VI. Dieses beträgt 2018 38.212 Euro (endgültiger Wert) und 2019 38.901 Euro (vorläufiger Wert).
6 Beitragsvolumen dividiert durch Beiträge auf Durchschnittsentgelt in Tsd..
7 Äquivalenzrentner dividiert durch Äquivalenzbeitragszahler.

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Die Veränderung des so ermittelten Rentnerquotienten ist im Rahmen des Nachhaltigkeitsfaktors über den Parameter Alpha (0,25) zu einem Viertel anpassungsrelevant. Der Parameter Alpha ist die politische Stellschraube für die Höhe des Nachhaltigkeitsfaktors. Die seinerzeitige Festlegung auf einen Wert von 0,25 war willkürlich und alleine dem politisch vorgegebenen Ziel geschuldet, den Beitragssatzanstieg zur allgemeinen Rentenversicherung bis 2020 auf 20 Prozent und bis 2030 auf 22 Prozent zu begrenzen. Sobald dieses Ziel gefährdet ist, kann der Gesetzgeber den Parameter jederzeit erhöhen und damit die Anpassungssätze für die Zukunft noch »nachhaltiger« beeinflussen.

Für die Anpassung 2020 ergibt sich aufgrund der außerordentlich positiven Beschäftigungsentwicklung und des in deren Folge gesunkenen Rentnerquotienten ein Nachhaltigkeitsfaktor von:

Damit wirkt der Nachhaltigkeitsfaktor im Rahmen der Rentenanpassung 2020 in einem Umfang von 0,17 Prozentpunkten anpassungssteigernd.

Aktueller Rentenwert 2020

Der neue AR ergibt sich aus der Multiplikation des Entgeltfaktors, des »Riester-Faktors« und des Nachhaltigkeitsfaktors (= Anpassungsfaktor) mit dem bisherigen AR:

AR2020 = 33,05 Euro x 1,0328 x 1,0000 x 1,0017
= 33,05 Euro x 1,0345
= 34,19 Euro.

Der Anpassungsfaktor beträgt somit 1,0345; hieraus resultiert eine Erhöhung des AR um 3,45 Prozent von 33,05 Euro auf 34,19 Euro.

In den Jahren 2019 bis 2025 ist abschließend noch zu prüfen, ob mit dem nach der Anpassungsformel ermittelten AR das Sicherungsniveau vor Steuern (SvS, § 154 Absatz 3a SGB VI) des laufenden Jahres in Höhe von 48 Prozent unterschritten wird. Sollte dies der Fall sein, ist der rechnerische AR nach § 255e SGB VI so anzuheben, dass das SvS mindestens 48 Prozent beträgt (Niveau-Haltelinie). Der Ausgleichsbedarf aufgrund von in der Vergangenheit wegen der allgemeinen Schutzklausel unterbliebener Anpassungsdämpfungen (nicht realisierte nominale Rentenkürzungen) ist bis zum 30. Juni 2026 durch das RV-LVuStabG RV-LVuStabG auf 1,0000 festgeschrieben. Die bislang erforderliche jährliche (Neu-) Bestimmung des Ausgleichsbedarfs ist bis dahin ausgesetzt. Damit wird gewährleistet, dass die Niveau-Haltelinie nicht nachträglich (durch spätere Verrechnung mit einem evtl. zwischenzeitlich aufgelaufenen Ausgleichsbedarfs) wieder »einkassiert« wird.

Das Sicherungsniveau vor Steuern (SvS) des Kalenderjahres ist der Verhältniswert aus der verfügbaren Standardrente (vStR) und dem verfügbaren Durchschnittsentgelt (vDE):

Standardrente (StR) ist die Regelaltersrente aus der allgemeinen Rentenversicherung mit 45 persönlichen Entgeltpunkten (pEP), die sich unter Zugrundelegung des ab dem 1. Juli des betreffenden Kalenderjahres geltenden AR für zwölf Monate berechnet (Neue Berechnung des Rentenniveaus Neue Berechnung des Rentenniveaus).

StRt = ARt x 45 x 12

StR2020 = 34,19 Euro x 45 x 12 = 18.462,60 Euro

Die verfügbare Standardrente (vStR) ergibt sich, indem die Standardrente um den von den Rentnerinnen und Rentnern zu tragenden allgemeinen Beitragssatzanteil zur Krankenversicherung (aKVR) sowie den Anteil des durchschnittlichen Zusatzbeitragssatzes (dzKVR) zur Krankenversicherung und den Beitragssatz zur sozialen Pflegeversicherung ohne Beitragszuschlag für Kinderlose (sPVR) gemindert wird.

vStRt = StRt x [1 - (aKVRt + dzKVRt + sPVRt)]

vStR2020 = 18.462,60 Euro x [1 – (0,073 + 0,0055 + 0,0305)]

vStR2020 = 18.462,60 Euro x 0,891 = 16.450,18 Euro.

Die verfügbare Standardrente 2020 beträgt demnach 16.450,18 Euro.

Das verfügbare Durchschnittsentgelt (vDE) des jeweiligen Kalenderjahres wird ermittelt, indem das verfügbare Durchschnittsentgelt des Vorjahres (2019: 33.056,86 Euro – vorgegeben durch das RV-LVuStabG RV-LVuStabG) mit dem Entgeltfaktor der Anpassungsformel (vgl. oben) und der Veränderung der Nettoquote des Arbeitsentgelts (NQA) im jeweiligen Kalenderjahr gegenüber dem Vorjahr vervielfältigt wird.

Die Nettoquote des Arbeitsentgelts wird ermittelt, indem vom Wert 100 Prozent der vom Arbeitnehmer zu tragende Anteil des Gesamtsozialversicherungsbeitragssatzes (§ 163 Abs. 10 SGB VI) des betreffenden Kalenderjahres abgezogen wird. Der Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz (GSV) ergibt sich aus der Summe der zum 1. Januar des Kalenderjahres geltenden Beitragssätze in der allgemeinen Rentenversicherung (aRV), in der gesetzlichen Pflegeversicherung (sPV) sowie zur Arbeitsförderung (BA) und des um den durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz (dzKV) erhöhten allgemeinen Beitragssatzes in der gesetzlichen Krankenversicherung (aKV); seit 2019 werden alle Komponenten des GSV paritätisch von Arbeitgeber und Arbeitnehmer finanziert (zuvor war der Zusatzbeitragssatz der KV alleine vom Arbeitnehmer zu finanzieren).

NQAt = = 100% - (aRVAt + BAAt + aKVAt + dzKVAt + sPVAt)

NQA2019 = 100% - (9,3 + 1,25 + 7,3 + 0,45 + 1,525)

= 80,175%

NQA2020 = 100% - (9,3 + 1,2 + 7,3 + 0,55 + 1,525)

= 80,125%.

Gegenüber 2019 ergibt sich eine Senkung der Nettoquote des Arbeitsentgelts (= Anstieg der Beitragsbelastung) in 2020 (80,125/80,175 = 0,9994). Daraus resultiert ein verfügbares Durchschnittsentgelt 2020 in Höhe von:

vDE2020 = 33.056,86 Euro x 1,0328 x 0,9994

= 34.120,64 Euro.

Mit dem nach der Rentenanpassungsformel ermittelten rechnerischen AR in Höhe von 34,19 Euro ergibt sich ein Sicherungsniveau vor Steuern für das Jahr 2020 in Höhe von 48,21 Prozent:

Die Niveau-Haltelinie von 48 Prozent wird damit nicht unterschritten.


Aktueller Rentenwert (Ost) 2020

Der nach § 255a Abs. 1 SGB VI zu bestimmende AR (Ost) muss zum 1. Juli 2020 97,2 Prozent des AR betragen.

AR(O)2020 = 34,19 Euro x 0,972 = 33,23 Euro.

Im Rahmen der Vergleichsberechnung (§ 255a Abs. 2 SGB VI) ergibt sich auf Basis der Anpassungsformel und der ostdeutschen Lohnentwicklung (vgl. oben) ein Vergleichswert (VGW) von

VGWt = VGWt-1 x 1,0383 x 1,0000 x 1,0017

VGW2020 = 31,85 Euro x 1,0383 x 1,0000 x 1,0017

= 31,85 Euro x 1,0401

= 33,13 Euro.

Der Vergleichswert nach § 255a Abs. 2 SGB VI (33,13 Euro) übersteigt den nach § 255a Abs. 1 SGB VI berechneten AR (Ost) (33,23 Euro) nicht. Somit beträgt der festzusetzende aktuelle Rentenwert (Ost) ab 1. Juli 2020 33,23 Euro. Dies entspricht einem Anpassungssatz (Ost) von 4,20 Prozent. – Ab Juli 2020 erreicht der aktuelle Rentenwert (Ost) 97,2 Prozent des aktuellen Rentenwerts.

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